Eckart Kleßmann – Georg Philipp Telemann

Ein Sprichwort machte bei uns an der Schule gerne die Runde: „Keine Feier ohne Telemeier“. Natürlich ging es um Georg Philipp Telemann und sein umfangreiches Werk, das tatsächlich Musik für viele Gelegenheiten bot und bietet. Ein wenig abwertend war und ist das aber auch gemeint. Eckart Kleßmann zeichnet auf knapp 140 Seiten das Leben dieses Großen der Musikgeschichte nach und ermöglicht ein differenzierteres Urteil. Er selbst hat lange Zeit als Journalist und Redakteur gearbeitet und sich auf Biografien spezialisiert.

 

Sein Buch liest sich ausgesprochen flüssig, genügt aber in Sprache und Aufbau wissenschaftlichen Maßstäben. In zwölf Kapiteln erzählt er uns aus seinem Leben; natürlich steht die Hamburger Zeit im Mittelpunkt. 1721 war Telemann nach Hamburg gekommen als Kantor des Johanneums und als „Director Musices“ für alle fünf Hauptkirchen. Das bedeutete unter anderem, pro Jahr mindestens 52 neue Kirchenkantaten sowie eine Passionsmusik zu erschaffen, von den gottesdienstlichen Musiken an den vielen zusätzlichen Feiertagen mal ganz abgesehen.

 

Telemann blieb für über vierzig Jahre im Amt, allzeit fleißig und mit einer Ruhe und geräuschlosen Beharrlichkeit, die ihresgleichen suchte. Fleißig war er aber nicht nur in Sachen Kirchenmusik: Mit der Admiralitätsmusik, mit den vielen Kapitänsmusiken, mit der Übernahme der Oper am Gänsemarkt, mit dem Wiederaufleben des Musiklebens in der Form der Hauskonzerte und der Tafelmusik, auch mit der Herausgabe der Zeitschrift „Der getreue Music-Meister“ verwöhnte er sein immer zahlreicher werdendes Publikum aus dem gehobenen Hamburger Bürgertum.

 

Was Telemann wann und wo unternahm, welche Personen er dabei kennenlernte und wiederum inspirierte, wie überhaupt die Welt, in der er lebte, beschaffen war, erfahren wir bei Kleßmann, der übrigens bereits mit der Biografie über den Hamburger Dichter Barthold Hinrichs Brockes hervorgetreten ist. Das ist in seiner Art Hamburger Kulturgeschichte vom Feinsten und weitaus mehr.

 

Kleßmann begleitet Telemann weiter als „Europäische Berühmtheit“, verschweigt aber auch nicht dessen schwierige Ehesituation, die schließlich mit der Trennung von seiner zweiten spielsüchtigen Frau endet. Wir erleben Telemann bei seiner Fahrt nach Paris oder als von Händel unterstützter Gartenliebhaber. Es gibt Bemerkungen zum erstaunlich vielseitigen Alterswerk und zum Thema Telemann und Bach.

 

Der Autor beendet sein Buch mit einem ausgesprochen wichtigen Exkurs zum Nachruhm Georg Philipp Telemanns. Eine sorgfältig verfasste Zeittafel und eine Auswahlbibliografie ergänzen diese wunderbar zu lesende Biografie.

 

Schade, die der Originalausgabe beiliegende CD mit drei Werken Telemanns liegt der unter ISBN ISBN 978-3-8319-0611-6 erschienenen Sonderausgabe beim Verlag Ellert und Richter leider nicht mehr bei. Dafür schont der Preis von € 12 für die broschierte Ausgabe den Geldbeutel.

 

Meine Hörempfehlung für alle, die tiefer einsteigen wollen, ist die „Hamburgische Kapitänsmusik“ von 1738, die 2010 unter der EAN 0761203738625 auf zwei CDs bei CPO erschienen und bei JPC zum Preis von € 9,99 erhältlich ist, sowie die „6 Quatuors ou Trios“ von 1733, die die Camerata Köln 2024 – ebenfalls bei CPO – veröffentlicht hat. Sie kostet beim erwähnten Versandhändler € 17,99.

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Stefanie Olhöft (Montag, 17 Februar 2025 00:09)

    Eine sehr schöne Rezension, lieber Klemens.