Armacord Maria - Josquin in Leipzig

Seit November 1992 erfreuen Sie uns: Fünf Männer des Ensembles Amarcord sorgen mit ihrem selten klaren, wohlausgewogenen Gesamtklang dafür, dass wir ein ausgedehntes Repertoire an Vokalmusik vom Mittelalter bis zur Musik unserer Tage genießen dürfen. Gleich die zweite Veröffentlichung, das weihnachtliche „In Adventu Domini“, fand im Programm des Raumklang Verlags seinerzeit ihren Platz. Das hat beiden geholfen, dem Ensemble und dem Verlag.

 

Dabei haben sich die fünf ehemaligen Thomaner aus Leipzig über die Jahre durchaus erfolgreich auch an Folklore und Jazziges getraut, kehren aber mit dem neuen Album „Maria“ in den Bereich der Alten Musik zurück. „Josquin in Leipzig“ ist der Untertitel des Albums. Der zu seiner Zeit schon berühmte Sänger und Komponist der Frührenaissance ist zwar sicher nie in Leipzig gewesen, doch seine Noten finden schon in dieser Zeit durch findige Verleger und eine neue Technik des Notendrucks ihre Verbreitung in ganz Europa.

 

Kein Wunder, dass Josquin auch in Leipzig bekannt war. Die dort lagernden Stimmbuchhandschriften, unter anderem der berühmte „Apel-Codex“, belegen es. Und so bedarf es nur noch einer weiteren Quelle, des Manuskripts „Ms Thomas 49/50“, um die Basis dieser klangschönen Aufnahmen fast komplett abzustecken. Ergänzt wird das alles durch einstimmige gregorianische Marien-Musik aus Leipzig, die im „Thomas Graduale“ aus dem 13./14. Jahrhundert überliefert ist.

 

Wir dürfen beides genießen: Nicht nur den schon damals berühmten Ordinariumszyklus von Josquin „Missa de Beate Virgine“ und die Motette „Ave Maria ... virgo serena“, sondern auch andere kontrafaktorisch entstandene kleinere Kompositionen, die uns im kundigen Nachwort von Bernhard Schrammek genau erläutert werden.

 

Ob die Leipziger Kantoren im 16. Jahrhundert von diesem Schatz Gebrauch machten, ist nicht überliefert. Aber die zunehmende Aufspaltung in Konfessionen schadete dieser Musik nicht, denn selbst Luther setzte sich dafür ein, Werke von Josquin und anderen Komponisten in den protestantischen Gottesdienst zu integrieren.

 

Das in der Thomaskirche Leipzig aufgenommen Repertoire entführt uns in eine ferne Zeit und ihre ausgefallen schöne Musik. Amarcord lässt uns vergessen, wie komplex sie ist und wie weit entfernt von der für uns wesentlich vertrauteren barocken Aufführungspraxis.

 

Maria – Josquin in Leipzig ist ein wunderbares Album: der Klang hervorragend, die Aufmachung – wie bei Raumkang üblich – ausgesprochen ansprechend. Von der kundigen Einführung war bereits die Rede. Es handelt sich also um ein kleines Juwel, das jede CD-Sammlung mittelalterlicher Musik ungemein ziert!

 

Josquin in Leipzig – Vokalmusik von Josquin des Prez aus Leipziger Handschriften und Mariensequenzen aus dem Thomas-Graduale ist in der edition apollon bei Raumklang erschienen.

 

 

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